Archiv für den Tag: 24. Februar 2022

Der Lanz – Unser Bulldog

von Hans Obermair

Freitag, 13. August 2021, Ebersberger Zeitung / Lokalteil

Liebeserklärung an einen Schlepper, der den Autor fast das Leben ge­kostet hätte

Heute ist der Name Lanz vielen nur mehr vom Fernsehen her bekannt. Der aus Südtirol stammende Markus Lanz ist ein Moderator, der aus den bundesdeutschen Medien nicht mehr weg zu denken ist. Anläss­lich eines Glonner Pfarrausfluges nach Südtirol waren wir im Hotel des On­kels von Markus Lanz untergebracht. Als ich mit dem Onkel ins Gespräch kam und im eröffnete, dass mir der Name Lanz vom „Bulldog“ her geläufig sei und ich in meiner Jugendzeit mit einem solchen viel zu tun hatte, fragte er umgehend „hosch ‚t oan“, oder auch nur Teile – und wenn es nur eine

alte Heizlampe wäre. Der Onkel war nämlich begeistert von den Bulldogs seines Namens. Leider konnte ich ihm nicht dienen. Aber er war auch an meinen Erlebnissen mit diesem Schlepper sehr interessiert. Was auch sonst.

Der „Lanz“ aus Mannheim war ab etwa Mitte der 1930er Jahre die meist gekaufte landwirtschaftliche Zugmaschine in ganz Deutschland, besonders in den Ackerbaugegenden. Und so hörte man in der Gegend, besonders während der herbstlichen Zeit des Pflügens, überall diese Bulldogs „schna­ckein“. Besonders in der Ackerbaugegend des Münchner Ostens, dem so genannten „G’fij“ (Gefielde) war das das Geräusch des Herbstes.

Dieser meistens 20 PS starke „Einzylinder“ mit der Glühkopfzündung nach dem Zweitaktsystem war einfach und robust. Der Glühkopf vor dem lie­genden Zylinder und Kolben verlängerte die Maschine nach vorne. Hier war der Zündteller untergebracht, der vor dem Kaltstart mit einer Lötlam­pe erhitzt werden musste. Das dann von der darüber liegenden Düse auf das Zündteller eingespritzte Diesel explodierte und bewegte den Langhub- Kolben. Der Hubraum war 2.5 Liter und das Gewicht von rund 50 Zentnern brachte die Kraft auf dem Boden.

Die einfache Bauweise des Motors stellte auch keine besonderen Ansprü­che an den Treibstoff. Pro Stunde waren das ca fünf Liter. Man konnte den „Saft“ maximal mit einem drittel Ablassöl „strecken“. Dies hatte allerdings den Nachteil, dass die Düse öfter verstopfte und dass nicht alles verbrann­te. Der Rest wurde dann aus dem typischen Auspuff nach oben geschleu­dert, sodass der Fahrer seine „Düpferl“ abbekam.

Nicht nur Ablassöl konnte der Lanz „verdauen“. Ein Bulldogfahrer berichte­te, dass er versehentlich einen Kanister Karbolineum in den Tank schütte­te. Sein Resümee: „Aba do hot a guat zog‘ n“. Man erzählte auch, dass die Türkei den Kauf von Schleppern ausschrieb. Bedingung war, dass Zig-Ton- nen ranziger Butter zu verwerten seien. Lanz machte das Geschäft.

Hatte der Zündteller die nötige Temperatur, wurde der Bulldog gestartet. Vorher wurde noch über einen kleinen Hebel „eingespritzt“, sodass genü­gend Diesel im Zünd-raum war. Bei den Vorkriegsmodellen erfolgte der Start mit dem abnehmbaren Steuerrad. Man steckte es in die Mitte der seitlich liegenden Schwungscheibe, wippte ein paarmal und zog dann durch. Das Steuerrad dreht sich nun mit dem laufenden Motor – und dann pressierte es, es musste schnellstens abgezogen werden. Genau hier war das größte Gefahrenmoment. Gelang dies nicht sofort, löste sich das Steu­

errad drehend von selbst und konnte wie ein Propeller durch die Luft flie­gen. Unfälle gab es immer wieder. Und so war der Rat eines alten Bulldog­fahrers Gold wert: „Wenn dir das passiert, ist der sicherste Platz unter dem Bulldog!“ Dieser Unfallquelle begegnete die Berufsgenossenschaft damit, dass ab Anfang/Mitte der 1950er Jahre feste Antriebsscheiben vorhanden sein mussten. Gegebenenfalls war nachzurüsten. Aber auch die Lötlampe wurde durch eine fest eingebaute Zündvorrichtung zum Starten häufig er­setzt.

Die Pflege dieses Schleppers war einfach: Ölwechsel gab es nicht; er hatte ein eigenes Umlaufschmiersystem. Für die gelegentliche Reinigung des „Kamins“ diente bei uns ein alter Offizierssäbel aus dem Ersten Weltkrieg, und ein paar Schmiernippel. Aus! War einmal die Düse verstopft, so konn­te man diese schnell, auch auf dem Feld, mit einer Nadel reinigen.

Der Lanz hatte drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Dann den „Über­setzer“, sodass sich die Zahl der Gänge verdoppelte und das Gefährt auch straßentauglich war. Das Getriebe war natürlich nicht synchronisiert. Aber bei geringer Zugbeanspruchung und einer gewissen Technik mit dem Gas­pedal konnte man auch ohne zu kuppeln rauf und runter schalten. Ab den 1950er Jahren musste bei den älteren Modellen der Übersetzungsganghe­bel abgesägt werden, weil diese Modelle nur eine Handbremse hatten, und das entsprach nicht der Vorschrift. Übrigens: Man konnte durch „spie­len“ mit dem Gashebel auch die Drehrichtung ändern, sodass man die Vor­wärtsgänge zur Rückwärtsfahrt verwenden konnte. Bei den Anfangs-Lanz- Modellen war dies sogar die einzige Rückfahrmöglichkeit.

Meine Erlebnisse mit diesem Unikum waren ab 1951 auf dem Pachtbetrieb meiner Eltern beim „Wirt“ in Ottersberg. Mit den 120 Tagwerk, davon gut zwei Drittel Ackerbau waren nicht nur wir, sondern auch unser Bulldog gut beschäftigt. Zu unserem „Lanz“ hatten wir noch den kleineren „Schlüter“. Schon als Bub musste ich mit den Traktoren bei der Ernte „Vorfahren“. Nur wenn man sich „ganz lang“ machte, konnte man die Kupplung durchdrü­cken und schalten. Ab etwa 16 war ich dann der Bulldogfahrer auf dem Hof. Im Herbst zum Beispiel saß ich wochenlang täglich auf dem „Lanz“ und pflügte. Eine Hand am Lenkrad, die andere an der Spindel des ange­hängten Pfluges. Man fragte mich, ob ich es „im Kreuz“ hätte, weil ich so schief daher komme. Es war eben diese wochenlange einseitigen Tätigkeit. Aber auch mein Gehör hatte mit dem „Lanz“ auf Dauer zu leiden. Gehör­schutz gab es damals nicht. Und je lauter er bellte, umso besser zog er. Sein Geräusch war so laut, dass man, auch wenn man schrie, sich nicht hö­ren konnte.

Einmal hätte mir der „Lanz“ beinahe das Leben gekostet oder mir zumin­dest lebenslange Invalidität eingebracht: Ich pflügte einen Kleeacker um. Beim Ausheben des Pfluges an der Querfurche, ich hatte schon das „Gas“ zurückgenommen, starb der Motor ab. Ich startete mit dem Lenkrad den Bulldog wieder in gewohnterWeise. Ein weghängender Flicken an meinem Handschuh hatte sich aber im Lenkrad verfangen, sodass ich die Hand nicht mehr vom Rad brachte. Ich wurde mit der Drehung in Richtung Kot­flügel gezogen und hörte es in meiner Schulter schon krachen. Da schlug der Motor, Gott sei Dank, zurück und ich flog rücklings aufs Feld. Wäre, wie gewohnt, der Handgashebel auf „Voll“ gewesen, hätte es keinen Rück­schlag gegeben und ich wäre womöglich allein auf dem Feld meinem Schicksal ausgeliefert gewesen. So aber konnte ich meine Arbeit fortset­zen.

Im Sommer 1957 kauften wir uns dann einen weiteren Schlepper, der den „Lanz“ weitgehend ersetzte. Dieser war dann nur noch auf „Reserve“. Aber immer wieder musste er vor den Pflug. Es war schön mit ihm zu fahren.

Und so kann ich die heute noch übliche „Lanzleidenschaft“, wie man sie heute bei Oldtimertreffen erleben kann, gut verstehen. Die Faszination „Lanz“ mag man auch daran ermessen, dass der Gebrauchsname „Bull­dog“, der ursprünglich nur für Lanzschlepper allein gültig war, heute noch als Synonym für alle Traktoren verwendet wird. Dies dürfte ziemlich ein­malig sein in unserer Industriegeschichte.

Hans Obermair ist Heimatforscher. Er lebt in Glonn

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Glonner „Zechen“ und „Greawinkler“

von Hans Obermair

Montag, 21. Februar 2022, Ebersberger Zeitung / Lokalteil

Gemeinschaftsform von Ledigen in bäuerlichen Gegenden lebt bis heute weiter

Der Begriff „Zeche“, ist schon im 13. Jahrhundert ein Begriff. Er kommt nicht vom „Zechen“, also mit Essen und Trinken eine Zeche ma­chen, sondern bedeutet so viel wie Gemeinschaft, wie die „Zeche“ der Bergleute. Der Sprachforscher Schmeller erwähnt, dass die „Zech“, im Sin­ne einer Gemeinschaft von ledigen Leuten, an der „oberen Isar“ vorkom­me. Die „Zech“ war eine Gemeinschaftsform von Ledigen, in bäuerlichen Gegenden, wo es meist keine kirchlichen Vereinigungen, wie Gesellen-oder Burschenvereine, gab. Möglicherweise wurden solche erst gegründet, um die Gestaltung des Freizeitlebens der ledigen Burschen nicht nur den „Ze­chen“ zu überlassen. Oder gar um Zechen zu verhindern oder abzulösen.
Und so haben sich Zechen primär nicht an Pfarrorten gebildet, sondern oft in kleineren Orten und Ortsteilen. Überdies gab es in den Pfarr-und Ge­meindeorten, wie zum Beispiel in Glonn, ein reges Vereinsleben. Wenn Schmeller feststellt „an der oberen Isar“ gäbe es die Zechen, es gab diese auch bei uns. Sie sind möglicherweise erst später entstanden. Erstaunli­cherweise konnten bisher im nördlichen Landkreis, also bei den „Draußerholzern“, keine Zechen nachgewiesen werden.
Um das Leben in den Zechen darzustellen, sei hier die Gegend um Glonn als Beispiel angeführt. So wie es schon im letzten Drittel des 19. Jahrhun­derts in Schlacht eine Zeche gab, so gab es sie auch, wenn auch erst spä­ter, zum Beispiel in Münster, Glonn, Frauenreuth, und Berganger.

Zechen waren nicht wilde Gemeinschaften, sondern hatten feste Formen. So hatte jede Zeche einen Zechmeister, gegebenenfalls auch einen Stell­vertreter, einen Musikanten und eine Kasse, vom Zechmeister, oder sei­nem Stellvertreter geführt. Zu einer Zeche gehörte auch ein „Stammlokal“. So ist es auch zu verstehen, dass sich die jungen Leute eines Ortes ohne Wirtshaus, der Zeche des Nachbarortes anschlossen. Aufzeichnungen in den einzelnen Zechen wie Protokolle oder Kassenbücher sind nicht be­kannt.
Bei einer „Zech“ konnten alle ledigen Burschen und Mädchen eines Gebie­tes mitmachen; auch Knechte, Mägde und Handwerker, die nicht von hier stammten und nur hier im Dienst waren. Es gab keine Altersbeschrän­kung. Wichtig war, dass man noch ledig ist. Zweck einer „Zech“ war die Ge­meinschaft. Gemeinsam war man eben stärker. Selbstbewusstsein und Ei­genständigkeit der einzelnen Orte kamen hier besser zur Geltung. Ebenso brauchte man die Gemeinschaft zur Pflege und Weitergabe des Brauch­tums. Außerdem war gemeinsam gekauftes Bier billiger.

Gründungsmotiv war also der Wunsch zur Gemeinschaft. Solche Gemein­schaften entstehen oft gelegenheitshalber. Und da Zechen auch Kinder ih­rer Zeit sind, ist anzunehmen, dass sich viele mit der zunehmenden Frei­heit des Einzelnen „gründeten“ wie etwa durch die „Bauernbefreiung“ von 1848. Überdies gilt, wahrscheinlich aus demselben Grund, die zweite Hälf­te des 19. Jahrhunderts auch als die „Gründerzeit“ für Vereine. Dies betraf natürlich in erster Linie die größeren Orte. Die Vereinigungsmentalität machte aber vor den kleineren Orten nicht Halt. Das Entstehen von Ze­chen wurde hierdurch zweifelsohne beeinflusst. Hie und da mag auch die Eröffnung eines Dorfwirtshauses das Werden einer Zeche gefördert ha­ben. Es ist aber auch umgekehrt denkbar.
Ein Beispiel: die Schlachter Zeche, die „Greawinkler“. Sie umfasste die Orte Schlacht, Kreuz, Steinhausen, Mühtal, Reinsdorf, Balkham, Ursprung und Adling. Glonn wurde also im Norden und Westen halbkreisförmig umgan­gen. Im Süden und Osten von der Frauenreuther Zech. Nur von einer Zech ist ein spezieller Name bekannt: die „Greawinkler“.
Woher der Name „Greawinkler“ kommt, dafür gibt es keine eindeutige Erklärung. Wolfgang Koller glaubte, dass dies mit dem Grün der Wiesen und Wälder zu tun hat. So gesehen müssten auch die anderen Zechen um Glonn so geheißen ha­ben. Ebenso wäre es, wenn mit dem „grea“ (grün) „jung“ oder die Jugend gemeint war. Am ehesten könnte sein, dass „Greawinkler“ auf den Um­stand zurückzuführen ist, dass sich die Schlachter Jugend, für die Dreißi­gerjahre steht dies fest, auf der sogenannten „Winkelwiese“ getroffen hat. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass „Greawinkler“ ein Fantasiena­me ist, der anfangs sogar als Deckname hergenommen worden sein könn­te. Fragt man nach dem Zeitpunkt, wann die „Greawinkler“ entstanden sind, so ist man ebenfalls auf Vermutungen angewiesen. Da eine „Zech“ in der Regel auch sein Wirtshaus brauchte, könnte es durchaus sein, dass die Eröffnung des Schmiedwirt ca 1871, mit dem Entstehen der Schlachter „Zech“ zusammenhängt.

Der Jahreslauf einer „Zech“ ging natürlich einher mit dem Kirchen- und dem Bauernjahr. Gab es viel zu tun, so gab es wenig zu feiern – und umge­kehrt. Die Höhepunkte eines Zechjahres waren sicher die Tanzveranstal­tungen, die in den umliegenden Orten gemeinsam besucht wurden. So in Glonn die „Pfingstmarktmusi“ beim Neuwirt und die „Oktobermarktmusi“ in der Post. Der Zechmeister, oder ein von ihm Beauftragter, reservierte für seine „Zech“ die Plätze, indem er mit Kreide auf die Tische schrieb „Greawinkler“. Die anderen Zechen taten dies ebenfalls für sich. Dann kam ein Banzen Bier auf den Tisch, der an die eigenen Zechleute ausgeschenkt wurde. Einer von der „Zech“ kassierte bei allen männlichen Mitgliedern den gleichen Betrag. Reichte es für den Abend nicht, so wurde nachkas­siert. War es zu viel, so wurde es für spätere Anlässe gespart.
Aus der Zechkasse wurden beim Musikmeister, das waren in Glonn die Diemer und Faßrainer, Tänze bestellt. Burschen von anderen Zechen die „dreintanzten“ wurden „abkassiert“. Dirndln dagegen durften bei den Tän­zen anderer Zechen umsonst mittanzen. Zwischendurch spielte die Musik auch manchmal „Zehnerltouren“. Der „Frausee“ kostete 20 Pfennige. Wur­den von den Zechleuten Hochzeiten besucht, so wurde nach dem „Abdan­ken“ genauso verfahren wie bei einer Tanzmusi. Eintrittsgeld gab es da­mals nicht. Die Musik verdiente ausschließlich an den Zechtänzen und Zehnerltouren. Nicht selten spendierten die Zechen der Musi einige Maß Bier.

Für das Landvolk gab es früher keine Tanzkurse. Nicht tanzen können hät­te, im wahrsten Sinne des Wortes, „Sitzenbleiben“ bedeutet. Und welch junger Mensch wollte das schon. Und so wurde das Tanzen häufig bei der Zeche gelernt. In den Stuben, im Fletz oder auf dem Tennenboden gab es Platz genug.
Eine wichtige Angelegenheit im Jahreslauf einer Zeche war der „Kirta“. Dar­über schreibt die in der Schweiz wohnende Emma Rapp, die in Schlacht zu Hause war: „Kirchweih oder Kirta, das war noch ein Tag, und was für einer, für Jung und Alt. Das Wichtigste, es gab Kirtanudeln, Kirtabrot, eine Kirta- hutsch, Kirtabier und den Kirtatanz. Und der Kleinmaier Hermann, er war lange der Musiker seiner Zech, berichtet, dass für die Schlachter Burschen und Dirndl der Silvestertanz eine wichtige Angelegenheit war. Bis Mitter­nacht wurde beim Wirt musiziert und getanzt. Dann ging man mit der Har­monika voraus, von Hof zu Hof und wünschte ein gutes Neujahr, wofür man mit einem Geldstück belohnt wurde.
Wenn jemand von der Zeche heiratete, so wurde vom Zechmeister im Auf­trag der Zeche ein „Regulator“ (Wanduhr) oder ein „Humpen“ überreicht. Sofern die Zechkasse es erforderte, wurde hierfür (nur bei den Burschen) einkassiert. Das Brautpaar bedankte sich für das Geschenk mit Freibier und Ehrtänzen. Einige Tage vorher wurde, in der Regel im Hause des Hochzeiters oder der Braut, die „Nachthochzeit“ gefeiert. Der Name kommt wohl davon her, weil sie im Gegensatz zur Hochzeit, am Abend bzw. bei der Nacht gefeiert wurde. Wurde im Greawinklerbezirk eingehei­ratet, dann wurde von der Zech ein Hochzeitsbaum aufgestellt. Hatte sich nach einem Jahr noch kein Kindersegen eingestellt, so gehört der Baum den Burschen.
Wie schon geschrieben, waren die einzelnen Zechen (Schlacht, Adling usw.) auch selbst aktiv. Die Schlachter Burschen trafen sich an Sonntagen ge­wöhnlich beim Wirt. Auch bei diesen Treffen wurde gemeinsam ein Ban­zen Bier gekauft und natürlich auch getrunken. Der Fellermaier Hartl weiß, dass die Schlachter Jugend 1934 eine Holzhütte auf oder in der Nähe der Winkelwiese, gebaut haben. Diese Hütte wurde „Wastlalm“ genannt. Dort traf man sich zum Reden und Tanzen, um von den „Alten“ nicht eingese­hen zu sein. Der Kleinmaier Hermann nennt dies eine „sturmfreie Bude“. Aber auch die Adlinger hatten ihre Hütte. Einmal in ihrer Geschichte haben die Greawinkler sogar einen Maibaum aufgestellt. Dies war im Jahre 1938.

Die „Greawinkler“ brauchten natürlich auch eine Organisation. Die ganze Zeche hatte immerhin gut 50 Mitglieder. Allein die Schlachter hatten 20 bis 25 Treffen, die sich jährlich wiederholten. Dabei hatten die Adlinger, die von der Glonner Christlmühle den Strom bezogen, ein besonderes System. Die Neunerbuben, der Max und der Jakl, Teil der Adlinger Burschen, waren beim Christlmüller im Dienst. Wenn ihnen das Einsagen oblag, ließen sie einfach in Adling die Lichter flackern, indem sie den Storm kurz unterbra­chen. Die Adlinger Burschen wussten dann, was los war.
So wie in Schlacht haben die Weltkriege überall das Zechenleben zum Still­stand gebracht. Aber beide Weltkriege haben die „Greawinkla“ überstan­den. Es gab jeweils einen Neubeginn. Wenn sich auch die „Heutigen“ Bur­schenverein Schlacht nennen, den Geist der „Greawinkler“ gibt es noch. Heute auf die ganze Glonner Gmoa ausgedehnt und seit 1994 mit Fahne.

Hans Obermair ist Heimatforscher, er lebt in Glonn.

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