Archiv für den Tag: 22. Juli 2020

Fremdenverkehrsprospekte von Glonn

Der erste Fremdenverkehrsprospekt stammt aus dem Jahr 1908, wurde vom Kultur- und verschönerungsverein herausgegeben und lobte Glonn als Sommerfrische und Luftkurort, als „Veilchen, welches im Verborgenen blüht“, in nur „5 Wegstunden, eindreiviertel stündiger Radfahrt oder eineinviertel stündiger Bahnfahrt von München“ aus zu erreichen.

Der nächste Fremdenverkehrsprospekt erschien 1933 oder 1934, die Fotografien stammen alle aus dem Fotoatelier Hintermaier:

Im Jahr 1954 konnte der Fremdenverkehrsverein unter anderem aus dem Erlös des Frühlingsfestes 1953 neue Prospekte drucken lassen.  Der Entwurf und die Linolschnitte stammten vom Künstler Rolf Ege, einem Münchner Künstler und Grafiker. Die Texte verfasste Wolfgang Koller, gedruckt wurden 8000 Stück.

 

1954 Einzug des Landrats Dr.Streibl und Bürgermeister Johann Eichmeier

Das Kaufhaus Obermaier und der Aufgang zur Kirche.

Links ein Ausschnitt aus dem Prospekt, rechts beim Einzug des Bürgermeisters zum Volksfest 1953

 

 

Den ganzen Prospekt finden Sie hier:

Im Jahr 1965 berichtete der Kulturverein, dass die letzten Prospekte verbraucht seien und beschloss eine Neuauflage bzw. eventuell einen neuen Prospekt herauszubringen, für dessen Bilder auch ein Farb-Foto-Wettbewerb veranstaltet werden sollte. Leider gibt es keine Unterlagen oder gar Fotos aus diesem Wettbewerb. Anfang der 70er Jahre wurde dann der neue Prospekt herausgegeben, mit einer Glonnerin als Titelschönheit!

Den ganzen Prospekt finden Sie hier

Das erste Volksfest nach dem Krieg

Der 1952 wiedergegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein organisierte für den Mai 1953 ein 9-tägiges Volksfest mit gleichzeitiger Landmaschinen- und Gewerbeausstellung. Festwirt des 1200 Gäste fassenden Zeltes war Hans Wagner, der Wirt der Gaststätte Huber und Inhaber der gleichnamigen Metzgerei; ein beeindruckendes Aufgebot an Schaustellern und Rahmenprogramm wurde auf die Beine gestellt. Mit dabei waren ein Kettenkarussell, ein Autoscooter, ein Kinderkarussell, und eine Schiffschaukel, ein „moderner Eispalast“, ein Alpenschützenhaus, 2 Schießbuden, ein Städteblinker und  Schlaghammer, wie der beauftragte Veranstalter Georg Trifellner ankündigt. Mit dem Erlös sollte der neue Fremdenverkehrsprospekt finanziert werden. Und tatsächlich strömten trotz schlechten Wetters zehntausende Menschen auf die Festwiese.

Die Festwiese 1953 mit Riesenrad

Nachdem der Festwirt, die Kapelle, die Vereine und einzelne Berufsgruppen auf geschmückten Wagen eingezogen waren, nach Standkonzert und Ansprachen, ließ man sich im Festzelt von der Blaskapelle „Otto Ebner“ des bayerischen Rundfunks, vom Roider Jackl und Georg Blädl  unterhalten, wählte eine Schönheitskönigin, fuhr auf dem Riesenrad, Kettenkarussell, oder Autoscooter, bewunderte die Artistengruppe „Rilke“ die auf einem Hochseil vom Marktplatz zum Kirchturm ihre Kunststücke zeigte. Der Bauerntag, sowie der Tag der Heimatvertriebenen, mit prominenten Rednern, eine Gewerbeausstellung im Schulhaus und die Landmaschinenausstellung zogen weitere tausende Besucher an. Das Volksfest wurde ein großer Erfolg, das Ziel des Verkehrsvereines, den Fremdenverkehr zu unterstützen wurde erreicht: durch den Erlös konnten 8000 Prospekte gedruckt und verteilt werden – und im Jahresbericht 1954 konnte der der Verkehrsverein dann von einem Anstieg der Übernachtungen auf 7346 gegenüber 1200 im Jahre 1952 berichten!

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